Alles steht Kopf… oder eben leider nicht. Das Baby liegt mit dem Steiß, statt mit dem Kopf nach unten. Man könnte meinen es sitzt gemütlich mit dem Po im Becken. Wenn es dann so geboren wird, sieht man am häufigsten das Gesäß als erstes, seltener die Füße oder die Knie. In Deutschland gilt Becken-End-Lage als ‚Risikogeburt‘ und häufig werden werdende Mütter überzeugt, per Kaiserschnitt zu entbinden. Allerdings gibt es einiges, das man machen kann, um das Baby zu locken, sich wieder im Mutterlaib zu drehen.

Laut einer in 1992 durchgeführten großen bevölkerungsbezogenen Studie , liegen bei ca. 4% der Spätschwangerschaften (nach der 36. Woche) die Babys in Beckenendlage. Geboren wurden solche Babys seit Jahrhunderten auf normalem Wege. Erst in den 50. Jahre wurde bei BEL einen Kaiserschnitt als ‚Standard‘ empfohlen. Seitdem bieten immer weniger Krankenhäuser aufgrund des erhöhten Risikos für Mutter und Kind eine vaginale Entbindung bei BEL an.

Vielleicht möchtest Du aber keinen Kaiserschnitt? Keine Sorge: In vielen Fällen ist eine Wendung möglich!

Dinge die man Zuhause machen kann:

Aktiv werden: Spazieren, Yoga, Schwimmen

Indische Brücke: Der Bauch und das Becken werden hoch gelagert, mit Armen und Kopf entspannt und die Unterschenkel nach unten hängend angewinkelt. Diese Haltung ist für Mutter und Kind ziemlich unangenehm und führt hoffentlich dazu, dass das Kind sich von alleine dreht.

Taschenlampe / Klang: Man führt eine Taschenlampe über die Bauchdecke oder macht ein Geräusch unten, wo man den Kopf vom Kind haben will. Das kann das Kind neugierig machen und animieren sich zu drehen.

Kopf runter, Po hoch: Knie dich im Vierfüßler auf das Bett, strecke den Po hoch und lege den Kopf auf ein Kissen. So kann das Kind noch einmal zurück rutschen und sich neu positionieren. Mach dies für 15 Minuten und lege dich dann 5 Minuten auf die rechte Seite bevor Du wieder aufstehst.

Dinge, die von Fachpersonal angeboten werden:

Moxen / Akupunktur:

Hier wird eine glimmenden Beifußkraut-Zigarre in der Nähe eines bestimmten Punktes am kleinen Zeh gehalten. Dieser Akupunkturpunkt steht in Verbindung mit der Gebärmutter und soll helfen, dass Kind zum Drehen anzuregen. Ähnlich funktioniert auch Akupunktur und Fußreflexzonenmassage, die alternativ oder zusätzlich angewendet werden können.

Chiropraktik:

Die Webster Technik soll die Funktion des Beckens wiederherstellen, indem das Kreuzbein und die Knochen des Beckens ins Gleichgewicht gebracht werden. Die Bänder, die die Gebärmutter unterstützen, werden auch gelockert und entlastet und für das Baby wird Platz geschaffen, damit es sich in die korrekte Geburtslage bewegen kann.

Mehrere Behandlungen durch einen geprüften Chiropraktiker, der mit Erfahrung mit schwangeren Frauen hat, sind hier nötig.

Weitere Methoden, wie craniosacrale Körperarbeit oder Body Talk können die Behandlungen außerdem gut unterstützen.

Äußere Wendung:

In der Zeit die SSW 36 kann man durch eine Fachperson eine äußere Wendung versuchen. Normalerweise finde eine solche Wendung im Krankenhaus statt, da man ganz genau schauen muss, wie es dem Baby und der Mutter danach geht (mit CTG, Ultraschall usw.)

Eine Wendung kann versucht werden, wenn das Kind normal groß und entsprechend proportioniert ist (also das Verhältnis von Bauch, Schulter, Kopf, Beine passt), die Fruchtwassermenge ausreicht, die Plazenta günstig liegt und keine weitere Risiken vorliegen (z.B. Operationen und andere Eingriffe, die zu Komplikationen führen könnten).

Bei der Aufnahme wird eine CTG geschrieben, Ultraschall gemacht (um zu schauen, ob das Kind noch in der BEL liegt) und ein Medikament verabreicht, um die Gebärmuttermuskulatur zu entspannen. Ein Arzt schiebt das Kind aus dem Becken heraus und versucht ihn mit etwas Druck einen kleinen Purzelbaum machen zu lassen- alles mit gleichzeitiger Ultraschallkontrolle. Die Herztöne werden noch 30 Minuten bis einer Stunde kontrolliert und Blutkontrolle gemacht, um sicher zu stellen, dass alles mit Mutter und Kind noch in Ordnung ist. Etwa 60% der Babys, die durch eine äußere Wendung in Position gebracht werden, können dann spontan geboren werden.

Eine neue Methode der äußeren Wendung hat der Spezialist Dr. Hinkston aus der Berliner Charite entwickelt. Mit seiner Soft Touch Methode, nutzt er die kindlichen Reflexe, um das Kind durch Kitzeln zu animieren sich zu drehen. Diese Methode ist weniger schmerzhaft und hat sogar eine 70% Chance auf eine nachhaltige Wendung.

Und wenn das Kind trotzdem nicht zum Drehen gebracht werden kann?

Manche Krankenhäuser unterstützen Frauen, deren Baby in BEL liegt, mit dem Wunsch nach einer vaginalen Entbindung (wenn keine weitere Risiko-Faktoren bestehen). Dort kann man sich für die Geburt anmelden und es wird noch einmal über das Risikos aufgeklärt. Hebammen berichten, dass der Vierfüßler Stand die günstigste Geburtsstellung sei aber eine Frau kann für sich entscheiden, je nach Körpergefühl, in welcher Position sie ihr Kind zur Welt bringt.

Hier findet ihr einige Videos zur Geburt in Beckenendlage: